Soll das goldene Kalb geschlachtet werden?

Montag, 11. Januar 2010
Robert Stadler

Gedanken zur Initiative zur Abschaffung der Aufwandbesteuerung im Kanton St.Gallen

Die SP des Kantons St.Gallen will die Aufwandbesteuerung (auch Pauschalbesteuerung) im Kanton St.Gallen mit einer Initiative abschaffen. Dafür hat sie etwas mehr als 6'000 Unterschriften beim Kanton eingereicht. Damit werden nach den Stimmberechtigten im Kanton Zürich (wo eine gleichlautende Initiative letztes Jahr knapp angenommen wurde) auch die St.Gallerinnen und St.Galler an der Urne über die Thematik befinden können.
Die SP bedient sich in ihrer Argumentation einer populistischen, emotionalen aber wenig sachlichen Neiddebatte. Auch ich bin der Ansicht, dass die Höhe der Aufwandbesteuerung aus Gründen der Steuergerechtigkeit hinterfragt werden muss. Dieses für die Schweiz wichtige Instrument deswegen gleich abzuschaffen erachte ich hingegen als völlig falsch. Denn die Schweiz wird von der Aufwandbesteuerung - gerade weil in umliegenden Staaten die Schuldenwirtschaft eine nie gekannte Hochblüte erlebt - mittelfristig stark profitieren können. Auch wenn Pauschalbesteuerte verhältnismässig wenig versteuern, liefern sie dem Staat dennoch nicht unwesentliche Steuerbeträge ab. Ohne Aufwandbesteuerung wären diese Steuerzahler wohl gar nicht in der Schweiz wohnhaft und der Steuerertrag würde ganz wegfallen. Und was noch viel wichtiger ist und oft vergessen wird: Durch ihre Investitionen und ihre Konsumausgaben finanzieren Pauschalbesteuerte zehntausende von Arbeitsplätzen in der Schweiz. Sollen wir dieses goldene Kalb tatsächlich selbst auf die Schlachtbank führen? Unsere Missgunst gegenüber wohlhabenden Ausländern wäre damit zwar kurzfristig eingedämmt, unserem Wohlstand aber wäre damit sicherlich nicht gedient. Da ausser dem Kanton Zürich sämtliche Kantone die Aufwandbesteuerung kennen, würde sich der Kanton St.Gallen mit einer Annahme der SP-Initiative von sich aus einen Standortnachteil einbrocken. Statt abgeschafft sollte die Aufwandbesteuerung deshalb viel besser erhöht werden. Damit wird die Steuergerechtigkeit verbessert und das Instrument Aufwandbesteuerung bleibt dennoch bestehen.

Robert Stadler, Geschäftsführer FDP SG


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