Repressionen und konservative Politik auf dem Vormarsch

Freitag, 4. Juni 2010
Christoph Graf

Petition der Jungfreisinnigen Rheintal

Die Jungfreisinnigen Region Rheintal haben es mit ihrer Petition für längere Öffnungszeiten der Altstätter Beizen in die nationalen Medien geschafft. Das Engagement findet grossen Anklang; der Stadtrat hat bis jetzt aber nicht reagiert.

Man stehe dem Anliegen kritisch gegenüber, aber man werde die Petition prüfen, so Daniel Bühler, Stadtpräsident von Altstätten, in der „Rundschau" vom 2. Juni. Die Jungfreisinnigen Region Rheintal begrüssen diesen kritischen Ansatz, vermissen ihn aber bei der restlichen Politik des Stadtrates. Und dass er die Petition ernst nehmen muss, steht ausser Frage: Bereits über 1200 Personen haben diese unterschrieben, und das nach knapp einem Monat Sammelfrist.

Keine Problemlösung
Der Stadtrat hat in den letzten Jahren angefangen, das Gastwirtschaftsreglement mehr und mehr durchzusetzen, da offenbar vermehrt Beschwerden seitens der Anwohner der Altstadt eingegangen sind. Die Beizen wurden aufgefordert, um 1 bzw. 2 Uhr zur schliessen. Unerfreulicherweise hat sich die Problematik um Ruhe und Ordnung dadurch nicht verbessert: Die Nachtschwärmer werden alle gemeinsam auf die Strasse gestellt, zu einem Zeitpunkt, wo sie noch voll in Partystimmung und überhaupt noch nicht müde sind. Dass es dann zu Gewalt, Vandalenakten und Rumgegröle kommt ist ärgerlich - verwundert aber nicht wirklich.

Kein Zuckerbrot und trotzdem Peitsche
Der Stadtrat hat Ende Februar ein neues Polizeireglement in die Vernehmlassung geschickt, welches eine repressivere Sicherheitspolitik beinhaltet. Die Jungfreisinnigen Region Rheintal stehen grundsätzlich hinter dem Polizeireglement, bedauern aber, dass darin vor allem die Interessen der Anwohner berücksichtigt werden und die der Nachtschwärmer praktisch unbeachtet bleiben. Genau aber eine Verlängerung der Öffnungszeiten würde dem Problem in Altstätten die Spitze nehmen. Es kann nicht zum Ziel führen, wenn man auf der ganzen Linie eine repressive, konservative Politik fährt. Es braucht liberale Ansätze!

Keine weiteren Bewilligungen mehr
Zusätzlich zur Erstellung des Polizeireglements wurde eine Arbeitsgruppe „Innere Sicherheit" - in der notabene keine Jugendlichen vertreten sind - eingesetzt. Diese hat 30 Massnahmen zur Wahrung von Ruhe und Ordnung erlassen. Eine davon versetzt jedem liberal denkenden Menschen einen Stich ins Herz: In Zukunft sollen keine weiteren Bewilligungen für neue Beizen mehr ausgestellt werden.
Diese Politik agiert fern von den liberalen Grundsätzen Eigenverantwortung und Selbstbestimmung.

Nicht nur „rummotzen" - etwas tun!
Wir Jungfreisinnigen haben vor rund einem Monat - nach ausführlicher Analyse der Problematik und Rücksprache mit den Altstätter Beizern - einen Antrag an den Stadtrat verfasst. Darin fordern wir den Stadtrat auf, das Gaswirtschaftsreglement vollumfänglich an das kantonale Gastwirtschaftsgesetz anzupassen. Nach Artikel Art. 18. des Gastwirtschaftsgesetzes kann die Schliessungszeit für einzelne Betriebe aufgehoben werden, wenn diese sich an gewisse Regeln halten. Wir fordern in unserem Antrag, dass sich der Stadtrat darum bemüht, mit den Interessengruppen einen Katalog zu erstellen, in dem genaue Richtlinien für die Beizer verzeichnet sind. Wenn sich Beizer an diese Richtlinien halten, soll die Schliessungszeit aufgehoben werden, im Gegenzug müssen Fehlbare von den Behörden konsequent sanktionieret werden.
Diese Lösung würde die Interessen aller miteinbeziehen und stellte im Gegensatz zur Politik des Stadtrates keine Kollektivstrafe dar. Sie belohnt die Eigenverantwortung von Beizern und Nachtschwärmer, die sich an die Regeln halten.

Altstätten, eine tote Stadt ohne Nachtleben?
Altstätten war einmal ein Ausgangsmekka - mit einer Ausstrahlung weiter über die Grenzen der Gemeinde oder sogar der Region hinaus. Mehr und mehr wirkt die Stadt ausgestorben - und das heisst, Altstätten büsst an Attraktivität ein. Der Stadtrat gibt im Gegenzug nicht wenig Geld für Stadtmarketing aus. Ob das die Standortattraktivität wieder aufbessern kann, sei dahin gestellt.

Gemeinsam für Altstätten
Wir Jungfreisinnigen sind mit unserer Forderung aber nicht allein: Bereits über 1200 Personen haben die am 30. April lancierte Petition unterschrieben. Etwa gleichviele sind auch der entsprechenden Gruppe auf Facebook beigetreten.
Unser Engagement hat sogar das Interesse der nationalen Medien erweckt: Am Mittwoch, 2. Juni, wurde ein Beitrag über Repressionen gegen Jugendliche in der „Rundschau" ausgestrahlt. Der Beitrag ist unter www.rundschau.sf.tv zu finden.
Der Petitionsbogen und der Antrag an den Stadtrat können unter www.jfrh.ch heruntergeladen werden.

Christoph Graf
Generalsekretär der Jungfreisinnigen Region Rheintal


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